Warum mentale Gesundheit ins Zentrum der Unternehmenskultur gehört – Teil 1

Die Art und Weise wie wir arbeiten untersteht stetigen und tiefgreifenden Veränderungen. Als Beispiel ist hier besonders der Shift von körperlicher Arbeit zu Kopfarbeit zu nennen. Ein solch bedeutsamer Wandel bringt seinerseits immer neue Anforderungen innerhalb der Arbeitswelt mit sich. Sie sind ein Spiegel gesellschaftlicher Entwicklungen und werden durch diese maßgeblich beeinflusst. Zu den wichtigsten Einflussfaktoren gehören unter anderem:

  • neue Technologien und Digitalisierung
  • Fachkräftemangel
  • alternde Arbeitnehmerschaft
  • wachsende Rolle neuer Medien im Alltag.

Diese können die mentale Gesundheit von Arbeitnehmenden stark gefährden.

Neue Anforderungen bringen neue Risiken für die mentale Gesundheit

Aufgrund neuer Arbeitsmodelle und komplexer Anforderungen verschwimmen die Grenzen zwischen Beruf und Privatleben immer häufiger und die mentale Belastung der Arbeitnehmenden nimmt weiter zu. So sind psychische Erkrankungen inzwischen die zweithäufigste Diagnosegruppe bei Krankschreibungen bzw. Arbeitsunfähigkeit. Die hierdurch ausgelösten Krankheitstage haben sich in den letzten 40 Jahren verfünffacht, und durch die mit der Corona-Pandemie einhergehenden Belastungsfaktoren nahm die psychische Gesundheit am Arbeitsplatz weiter ab.)

Doch der mentale Druck äußert sich nicht nur über psychische Belastungserscheinungen. Er manifestiert sich auch in körperlichen Erkrankungen. Zur Verdeutlichung: 49% der AU-Fälle wegen Rückenbeschwerden lassen sich auf psychische Belastungen am Arbeitsplatz zurückführen, während nur 40% körperlich bedingt sind (Bödecker et al., 2002).

Die Folgen dieser Entwicklung sind weitreichend und kaum kalkulierbar. Allein durch Produktivitätsverluste kosten arbeitsunfähige Mitarbeitende die Weltwirtschaft jährlich rund eine Billion Euro (WHO). In Deutschland beträgt der Ausfall an Bruttowertschöpfung aufgrund von Arbeitsunfähigkeit wegen Überarbeitung inzwischen 136 Mrd. Euro (Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin).

Gefahrenquelle Mitarbeiterführung

Einen oft übersehenen aber bedeutsamen Einfluss auf diesen Trend spielt der Führungsstil in Unternehmen. Dort, wo Teammitglieder mehr als “Arbeitskraft” und weniger als “Mitarbeitende” gesehen werden, findet die mentale Gesundheit der einzelnen Beschäftigen nicht genügend Beachtung.

Bei einem solchen Führungsstil steht in der Regel das Streben nach wirtschaftlichem Erfolg im Mittelpunkt, was in vielen Fällen die Potenziale und Motivation von Mitarbeitenden schmälert. Arbeitnehmende werden als Mittel zum Zweck gesehen und von einer positiven Teamkultur ist man weit entfernt. Langfristig kann diese Herangehensweise die mentale Gesundheit beeinträchtigen, die Arbeitsqualität herabsetzen und eine erhöhte Personalfluktuation zur Folge haben. So führt der Leistungsdruck Untersuchungen zufolge dazu, dass ein Viertel der Beschäftigten in einem Tempo arbeiten, welches sie nicht dauerhaft halten können, während 18% von ihnen die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit erreichen und jede*r Achte krank im Unternehmen erscheint (Chevalier/Kaluza, 2015).

Aber auch dort, wo auf die mentale Gesundheit der Mitarbeitenden geachtet wird, kommt es auf die richtige Herangehensweise an. Lediglich der Versuch, Risiken und Belastungen zu vermeiden um Beschäftigte gesund zu halten, ist unzureichend. Vielmehr geht es darum, Potenziale zu fördern und sowohl die körperliche als auch die psychische Gesundheit proaktiv zu stärken. Hierzu bedarf es eines umfassenden betrieblichen Gesundheitsmanagements, welches zentral in die Unternehmenskultur eingebettet ist. Nur so werden die Bedürfnisse von Mitarbeitenden frühzeitig erkannt und passgenaue Maßnahmen zur Gesundheitsförderung gefunden.

Was nötig ist, um dieses Ziel zu erreichen und wie genau Gesundheitsförderung zu einem festen Bestandteil der Unternehmenskultur wird, erfährst du im zweiten Teil dieses Beitrags.